Seltsamer Sonntag

Am Tische sitzend, die Hände aufgestützt:
Ein kleines Licht leutet in der Nacht,
Die Du selber Dir erschaffen, die Du selber nicht durchbrichst.

Sorgen und Ängste, gedankenversunken,
Als Anlass ein seltsamer Sonntag.
Kalter Hauch weht durch Gardinen – Du Dich darin widerspiegelst.

Glanzloses Metall Dein Gehirn zerfrißt, ein kalter Stein
Schwer in Dir liegt … Gedanken, die nie geh’n:
Dich erfüllt ein eisig’ Schauer: Du hast verloren – kannst nicht raus.

Schwarzer Ekel in Dir aufsteigt, jämmerlich Dich zu ersticken droht,
Ein roter Dunst die Luft durchtränkt,
rotes Blut aus Wänden quillt: Dein Innerstes kehrt sich heraus.

Hundegebell in schwarzer Nacht, irgendwo ein Schuß ertönt.
Dunkle Fenster überall, Tritte auf der Straße …
Verklingen in der Ferne, im düster, schwarzen, kalten Regenschauer.

Verrosteter Stahl an einer Brücke, zerschundener Körper -
Schizophrener Geist; versinken im Morast, aus Gedanken;
Lebendige Irrlichter … und kein Entrinnen.

Verlassene Parkbank, beängstigende Stille: Du Dich setzt
Und niemand siehst – für Wunderheiler keine Zeit – Fragen und Ängste
Fressen Dich auf, Du Dich mir Dir selbst umgibst.

Kälte, ins Gesicht geschlagen, frostiger Schauer, Falten auf der Haut;
Eine Träne rinnt über Deine blasse Wange:
Du erschrickst, schreist in die Nacht.

Verhallender Schall; eine Wimper zuckt, Dein Haar wird dunkel,
Dein Herz zu Stein, klebriger Rachedurst nach süßem Blut:
Der Mond nimmt ab.

Seltsamer Sonntag. Du weinst, hast Angst. Erfahrung ohne Wut.
Die Suche nach Erkentnis: Du musst Dich ordnen,
Deine Gedanken ordnen. Gibt es Wunder? Traum ohne Wiederkehr …

Schulpforte, ca. 1995