Ohne Bild

Zusammen bricht nun eine Welt
Die fester und sicherer ich wähnte
War sie doch gebaut auf Steinen
Von fremder Hand,
Mit anderen Zügen als den meinen.

Bewundernd tat ich sie voll Eifer,
Kopieren, wollte sein wie sie,
Wie meine Göttin ohnesgleichen
Und zwang mich selbst in einen Kerker
Statuenhafter Steinernkeit.

Nicht war ich wie sie, nur falscher Trug
In mir und falsches Bild,
War nicht mehr selbst, nur Hauch
Vergang’nerĀ  eig’ner Tage,
Wo selbst ich war und ohne Bild.

Blind und grausam in der Welt
Der Ideale strengstem Folgen
Meiner armen Seele Not,
Richt’ ich alles ein auf Wiederkehr
Meiner Göttin,
Welche nun auf ewig tot.

Steh’ ich nun vor Scherbenhaufen
Der fremden Steine vom eignen Haus …
Als Andenken werd’ ich sie bewahren
Und lange formen müssen
Selbst ein neues, starkes, eignes
- eine Welt mir aus Granit!

27. August 1998