Der stille Poet – Vorgeschichte

Noch einst nach süßem Weibe trachtend:
Gegürtet eng und lieblichst lockend -
Mich zur Lust verführend …
Riß ich mir auf  das Fleisch an Dornen
Den Leibestrank in ihr zu weihen …
Noch daß ich sie band, in Fesseln legte,
In höchster Liebe Strafe schenkt‘ & Schmerzes
Reife Früchte erntend,
Ihr Tränen riß, mich schütternd hart verging
An ihrem jungen Seelenfrieden

Ach‘, glich sie sanft einem funkelnd kaltem Sterne
In blauer Nacht
Und hinter Gräbern, kalten Marmorplatten
Stand ihre Lust in lodernd Flammenmeeren
. . .
Wie kann doch scharfen Dolches blanke Schneide
In feinsten Grausamkeiten
Ein‘ Angstschrei,   zartes Zittern wandeln

Wie durft ihr AngstBlick meinen Schauder fordern,
Mich ergötzen …
Rafiniert ihr’n Schrecken in bunte Ewigkeiten mehren …

…noch zagt mein Herzens tiefstes Sehnen
Der schönen Stunden Grausamkeiten
Und einsam, ach !, manch stille Stunde
Entführt mich sanft zu diesen Träumen

Wie macht mich dieses Träumen schweigen,
Muß fliehen nun
Und doch der Menschen muntres Treiben:
In Geist und Träumen Zuflucht finden
Und dichten, lügen …

Dagazhallen, 11. April 2000